Judith Gösch

Judith Gösch
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Der Zeitkurier

Juli 2013

Wussten Sie, dass bereits 1986 in den Niederlanden nach der Atomkatastrophe in Tschernobyl die Ausbaupläne von Kernkraftwerken gestoppt wurden? Bereits vor diesem Unglück reagierten die USA aufgrund des Reaktorunfalls von Harrisburg ähnlich. Doch 30 Jahre nach der amerikanischen Katastrophe werden AKW-Neubauten wieder genehmigt. Der Zeitkurier ist eine interaktive Rauminstallation mit dem Ziel, Besucher auf Zeitgeschehnisse aufmerksam zu machen und ihnen die Möglichkeit zu geben sich mit diesen auseinander zu setzen. Hierzu werden zwei Zeitungsartikel gegenübergestellt, welche vom selben Thema, nicht aber vom selben Ereignis handeln. Die Artikel wurden demzufolge zu völlig verschiedenen Zeiten verfasst. Dabei erfolgt bewusst keine Wertung der Ereignisse, damit sich die Besucher eine eigene Meinung bilden können.

In unserer Installation erhält der Benutzer zuerst ein Textblatt bei dem wichtige Fakten, wie Ländernamen, Jahreszahlen und Personennamen nicht sichtbar sind. Sobald das Blatt in eine mechanische Schreibmaschine eingespannt wird, beginnt diese den zweiten Artikel, neben dem ersten und ohne Informationen vorzuenthalten, selbständig zu tippen. Beim Leser entsteht der Anschein beide Texte würden dasselbe Thema im selben historischen Kontext behandeln. Nach dem Verlassen der Installation wird der Besucher aufgefordert nochmals auf das mitgenommene Textblatt zu blicken, auf dem nun die fehlenden Informationen des ersten Artikels sichtbar sind. Erst durch das Vervollständigen der Lücken wird klar, dass die Texte aus verschiedenen Zeiten stammen und auf unterschiedliche Ereignisse Bezug nehmen.

Um dem Besucher ein einprägsames Erlebnis gewährleisten zu können verwenden wir eine relativ unbekannte Druckfarbe zum Auflösen der vermeintlichen Lücken – photochromatische Farben im Siebdruck. Das Besondere an der Farbe ist, dass diese nur bei Sonnenlicht sichtbar ist, bei normaler Zimmerbeleuchtung sieht der Betrachter die Farbe nicht.

Im Projekt „Der Zeitkurier“ leitete ich das Design-Team und kümmerte mich um die Ausstellung am Eröffnungsabend. Die Installation wurde in einem selbst gebauten Raum ausgestellt, den wir wie ein altes Wohnzimmer gestalteten. Der Bau dieses Raumes wurde ebenfalls von mir organisiert.

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